
- Philharmonie Essen: bald unattraktiv für Kunden? - Hans-Christian Hein, Pixelio
In der Innenstadt Essens gibt es die Parkzonen 1 und 2. Die Parkzone 1 liegt am nächsten an den Einkaufsmeilen Kettwiger Straße und Limbecker Platz, sodass die Gebühren dort um einiges teurer sind als in der Parkzone 2, bei der etwa Fußwege von fünf bis zehn Minuten in die City zurückzulegen sind. In der Parkzone 2, zum Beispiel an dem Parkplatz auf der Selmastraße, der etwa fünf Gehminuten vom Essener Hauptbahnhof beziehungsweise der Kettwiger Straße entfernt liegt, kostet das Parken pro Stunde 50 Cent, in der Parkzone 1 ist pro Stunde das Dreifache fällig.
Die Pläne der Stadt Essen zur Parkraumbewirtschaftung
Zumindest in der Essener Innenstadt soll die Parkzone 2 ganz abgeschafft werden, sodass einheitlich eine Parkgebühr von 1,70 Euro pro Stunde erhoben werden soll. Bei den bisherigen Parkplätzen der Zone 2 bedeutet dies einen Aufschlag von bis zu 240 Prozent.
Die bisherige Parkzone 2 soll nur noch in den Außenbezirken der Stadt gelten, also beispielsweise in Frohnhausen, Borbeck, Rüttenscheid und Altenessen. Auch hier soll der bisherige Tarif von 50 Cent pro Stunde angehoben werden.
Den Kurzparkern in der City möchte man jedoch entgegen kommen: Das Parken für bis zu 15 Minuten soll für 30 Cent möglich sein.
Befürchtungen der Industrie- und Handelskammer und des Einzelhandelsverbandes
Durch die Erhöhung der Parkgebühren in der City befürchten sowohl die Industrie- und Handelskammer (IHK) Essen als auch der Einzelhandelsverband, dass Essen, die mit dem Schriftzug "Essen - die Einkaufsstadt" auf dem Dach des Hotels Handelshof gegenüber vom Nordausgang des Hauptbahnhofs wirbt, für viele Einkaufswillige unattraktiv wird. Bereits jetzt sind auf der Kettwiger Straße einige Leerstände unter den Ladenlokalen zu verzeichnen, was bis dato jedoch eher auf das Shopping-Center am Limbecker Platz zurückgeführt wird.
Dadurch, dass die Stadt Essen ihre Parkgebühren weiter anheben will und hierdurch Einnahmen von 3,3 Millionen Euro pro Jahr erzielen möchte, befürchten die IHK und auch der Einzelhandelsverband, dass dies die Kunden in die umliegenden Städte treibt, die ihren Kunden teilweise sogar kostenlose Parkplätze zur Verfügung stellen.
Vergleich mit der Nachbarstadt Mülheim an der Ruhr
In der Nachbarstadt Mülheim an der Ruhr, nur einen Steinwurf von der Essener Stadtgrenze entfernt, befindet sich unmittelbar an Essen-Frohnhausen angrenzend das Rhein-Ruhr-Zentrum, das für seine Kunden mehrere tausend kostenlose Parkplätze bereit stellt. Im Rhein-Ruhr-Zentrum ist eine breite Palette an Fachgeschäften vertreten: verschiedene Schuhgeschäfte, Karstadt, Peek & Cloppenburg, C & A, Boecker, Parfümerien, Schmuck, Lebensmittelläden, Drogerien, Technikfachgeschäfte, ein Zoogeschäft, Gastronomie, Kinos und vieles mehr. Im Rhein-Ruhr-Zentrum ist somit alles zu finden, was sich auch in der Stadt Essen befindet, wenn auch auf komprimierterem Raum und mit kostenlosen Parkplätzen. Die Verkehrsanbindung ist ebenfalls gut, denn das Rhein-Ruhr-Zentrum ist mit dem Auto sehr gut zu erreichen (zum Beispiel über die A40, Abfahrt Mülheim-Heimaterde) und auch mit dem ÖPNV, denn die U18, die zwischen Mülheim Hauptbahnhof und dem Karlsplatz in Altenessen verkehrt, hält in unmittelbarer Nähe. Der Fahrweg vom Essener Hauptbahnhof zum Rhein-Ruhr-Zentrum beträgt mit der U-Bahn lediglich zehn Minuten.
Das Centro in Oberhausen
Analog gilt dies auch für das Centro in Oberhausen, wobei das Angebot zum Shopping noch um ein Musical-Theater, Kinos, einen Freizeitpark, die KöPi-Arena für Konzerte und eine große Gastronomie-Meile ergänzt wird. Im Gegensatz zum Rhein-Ruhr-Zentrum spricht das Centro jedoch eher junges Publikum an, die Konkurrenz in Mülheim bietet hingegen Angebote für jede Altersklasse. Obwohl die Stadt Oberhausen ebenfalls nicht gerade finanziell auf Rosen gebettet ist, sind die zahlreichen Parkplätze am Centro trotzdem für Kunden und Besucher kostenlos. In der Nähe liegen zudem touristische Sehenswürdigkeiten wie das Gasometer und der Kaisergarten. Die Verkehrsanbindung ist ebenfalls gut, denn am Centro halten neben mehrere Busse und Straßenbahnen, die Autobahnen 42 und 516 sowie die Bundesstraßen 223 und 231 bieten gute Anbindungen mit dem Pkw in benachbarte Städte und Regionen wie etwa den Niederrhein. Von Essen aus besteht eine direkte Verbindung zum Centro über die B231, die quer durch Altendorf, Schönebeck, Bedingrade und Frintrop im Westen und Nordwesten Essens verläuft sowie über die A42 aus den nördlichen Essener Stadtteilen Altenessen, Vogelheim und Karnap.
Anhebung der Parkgebühren in Essen: ein Eigentor für die Stadt?
Vor dem Hintergrund, dass sich in der unmittelbaren Umgebung Essens etablierte und beliebte Einkaufszentren mit weiteren Freizeitmöglichkeiten befinden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Befürchtungen von IHK und Einzelhandelsverband zutreffen. Wieso sollen Kunden horrende Parkgebühren in der Essener City zahlen und lange Fußwege durch die weitläufige Innenstadt zurücklegen, wenn sie in den Nachbarstädten das gleiche Angebot auf begrenzterem, aber dennoch großzügig geschnittenem Raum in Verbindung mit kostenlosen Parkplätzen vorfinden? Hinzu kommt, dass sich auch weitere Freizeitangebote in unmittelbarer Nähe des Rhein-Ruhr-Zentrums und des Centro befinden, für die dann ebenfalls keine weiteren Wege inklusive kostenpflichtiger Parkplätze in Kauf zu nehmen sind.
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Bildnachweis:
Philharmonie Essen: (c) Hans-Christian Hein, Pixelio
Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim: (c) Alexandra Döll
