
- Das Schicksal der Essener Oase - Andrea Kusajda, Pixelio
Die Verschuldung der Stadt Essen beträgt mehr als zehn Millionen Euro, sodass massive Einsparungen gerade im sozialen und kulturellen Bereich drohen. Trotz dieser desolaten Haushaltslage ist es der Stadt jedoch offenbar möglich, den Neubau der Konzernzentrale eines großen deutschen Energieversorgers mit 2 Millionen Euro zu unterstützen. Es stellt sich die Frage, wie das angesichts leerer Stadtkassen möglich sein soll. Ähnliches gilt auch für den geplanten Neubau des Rot-Weiß-Stadions an der Hafenstraße.
Nicht eingehaltene Wahlversprechen: Hesse und Oase
Obwohl der amtierende Bürgermeister Reinhard Paß (SPD) den Bürgern vor der Kommunalwahl am 27. September 2009 versprochen hatte, dass sowohl das Freibad Dellwig (Hesse) am Kanal als auch das 1983 eröffnete Freizeitbad Oase in Frohnhausen erhalten bleiben sollen, wurde der Badebetrieb in der Oase zum 31. März 2010 trotz massiver Bürgerproteste eingestellt. Auch die Zukunft von Hesse ist weiterhin ungewiss - die kommende Badesaison in dem traditionsreichen Freibad ist zwar gesichert, aber was mit dem Bad in den Folgejahren geschieht, steht noch in den Sternen.
Die Oase wurde laut Aussagen der Stadtspitze wegen zu hoher Instandhaltungskosten und angeblich zu geringer Besucherzahlen geschlossen. Die Besucherzahl des ganzjährig geöffneten Freizeitbades, das erst vor wenigen Jahren um ein Außenbecken erweitert wurde, beläuft sich auf zirka 150.000 Badegäste pro Jahr, was auf den Tag umgerechnet durchschnittlich 400 Besucher bedeutet. Angesichts der Tatsache, dass die Oase über eine wesentlich kleinere Badefläche verfügt als die Essener Freibäder, ist diese Zahl sicherlich nicht als schlecht zu werten.
Baustopp an der Dürerschule
Bei der Dürerschule handelt es sich um eine städtische Grundschule im Ortsteil Borbeck. Dank des massiven Einsatzes von Lehrkräften und Eltern wurde eine Schließung der Schule verhindert und erst kürzlich mit Renovierungs- und Sanierungsarbeiten des alten Backsteingebäudes begonnen, im März 2010 wurden die Bauarbeiten jedoch von einem auf den anderen Tag eingestellt mit der Begründung, dass der Stadt das Geld hierfür fehle.
Weitere soziokulturelle Zentren, die auf der Kippe stehen oder standen
Im Jahr 2008 sollte die Zeche Carl, ein soziokulturelles Zentrum in Altenessen, dem Rotstift zum Opfer fallen - trotz guter Besucherzahlen und Angeboten für praktisch jede Altersklasse: Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote für Schüler aller Altersklassen, Senioren-Tanzkurse, Disco, Gastronomie, Konzerte, Aufführungen. Vorerst ist der Betrieb in der Zeche Carl an der Wilhelm-Nieswandt-Allee sicher gestellt, die Frage ist jedoch, wie lange noch.
Das JZE, das Jugendzentrum an der Papestraße in Holsterhausen, soll ebenfalls dem Sparzwang der Stadt zum Opfer fallen. Zunächst war angedacht, ein neues Jugendzentrum in der Weststadt zu errichten, doch damit sind die Bürger aus Holsterhausen verständlicherweise nicht einverstanden. Mittlerweile ist sogar die Rede davon, das Jugendzentrum an der Papestraße ersatzlos zu schließen.
Im Rahmen des Masterplan Sport im Jahr 2007 sind bereits einige Sportstätten in Essen geschlossen worden oder von der Schließung bedroht. Ein Bürgerbegehren gegen diesen Masterplan scheiterte an einer zu geringen Zahl von Einwohnern, die sich dagegen ausgesprochen haben.
Sparzwang bei den Bürgern - Geld für Prestigeobjekte?
Wenn der Stadt das Geld fehlt, sind Kürzungen in bestimmten Bereichen sicherlich einzusehen. Fragwürdig werden finanzbedingte Einsparungen im soziokulturellen und schulischen Bereich jedoch, wenn der Stadt scheinbar für den Erhalt dieser Einrichtungen das Geld fehlt, zwei Millionen Euro - die die Stadt angeblich nicht hat - jedoch dem Neubau der Konzernzentrale eines deutschen Energieriesen zugute kommen, obwohl das alte Gebäude nicht baufällig ist und schon seit Jahrzehnten an der gleichen Stelle steht.
Unter der ehemaligen schwarz-grünen Stadtspitze ist unter der Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Reiniger (CDU) angedacht worden, für den Viertligisten Rot-Weiß Essen ein komplett neues Stadion zu bauen, weil eine Sanierung des derzeitigen Georg-Melches-Stadions wesentlich teurer sei als ein Neubau - dies mag für die Fans des Vereins sicherlich erfreulich sein, aber es ist fraglich, inwieweit ein Fußballverein, der seit Jahrzehnten nicht mehr in der ersten Liga vertreten ist und dessen kurzes Intermezzo in der zweiten Fußballbundesliga auch schon etwa zehn Jahre zurück liegt, tatsächlich ein viel größeres, neues Stadion benötigt, während das Geld für wirklich notwendige Einrichtungen für die Allgemeinheit angeblich fehlt. Über den Fortgang der Pläne zum neuen Stadion ist bis dato nichts Näheres bekannt.
Dieses widersprüchliche Handeln der Essener Stadtväter war bereits Thema in einem Leserbrief der NRZ am 31. März 2010.
Geplante Online-Umfrage der Stadt Essen
Am 29. April 2010 will die Stadt Essen eine Online-Umfrage starten, in der jeder Essener Bürger darlegen können, wo in seinen Augen Einsparpotentiale am sinnvollsten wären. Hierzu gab es im März 2010 bereits eine nicht repräsentative Umfrage der NRZ unter den Einwohnern Essens. Die Antworten fielen recht unterschiedlich aus: Ein Rentnerehepaar sah Einsparungspotential bei der Mietübernahme für Hartz IV-Empfänger, andere waren der Überzeugung, dass an den Gehältern der Angestellten der Stadt Essen gespart werden könne. Dies mag sicherlich auf Personen mit höheren Positionen zutreffen, deren Gehälter je nach Posten zwischen 50.000 und 110.000 Euro pro Jahr zuzüglich Dienstwagen liegen - ob jedoch beispielsweise bei einem Sachbearbeiter der Stadt Essen Einsparungen sinnvoll sind, ist in den meisten Fällen eher fraglich. Einig waren sich die befragten Bürger jedoch darüber, dass es keine weiteren Kürzungen im Bildungsbereich geben dürfe.
